Einleitung: Das Paradoxon der Skulptur
Eine Skulptur ist gleichzeitig schwer und äußerst zerbrechlich. Genau dieses Paradox macht sie zum natürlichen Feind des klassischen Transports.
Während ein Standardtransportunternehmen in Paletten und Gewicht denkt, unterliegen eine 2 kg schwere Harzskulptur mit ausgestreckten Armen oder eine antike Bronzeskulptur mit hervorstehenden Details physikalischen Gesetzen, die automatisierte Sortierketten völlig ignorieren. Förderbänder, Stapel, Stürze aus 80 cm Höhe im Logistikzentrum, Vibrationen auf 500 km Straße: Jeder Schritt der Reise ist eine Gefahr.
Der erste Gedanke gilt der Verpackung. Das ist unverzichtbar. Aber die meisten Versender begehen einen fatalen Fehler: Sie glauben, dass die Verpackung allein ausreicht, um ein einzigartiges, unersetzbares Stück zu schützen, dessen tatsächlicher Wert im Schadensfall von den Transportunternehmen niemals anerkannt wird.
Dieser Leitfaden beschreibt detailliert die von Fachleuten aus dem Kunstbereich und dem Transport von Sammlungen validierten Verpackungstechniken, die für jede Art von Kunstwerk geeigneten Materialien und die finanziellen Aspekte, die jeder Sammler oder Galerist vor dem Versand berücksichtigen muss.
Warum die Gewichtsentschädigung (CMR) ein Bankrott für die Kunst ist
Bevor wir über Verpackungen sprechen, lassen Sie uns über Geld sprechen. Denn darin liegt das eigentliche Risiko.
Das CMR-Übereinkommen, das den internationalen Straßengüterverkehr regelt, legt die Haftung der Transportunternehmen auf 8,33 SZR pro Kilogramm Fracht fest, was zum aktuellen Kurs (Februar 2026) etwa 26 € pro kg entspricht. Für den nationalen Transport orientieren sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Transportunternehmen in der Regel an denselben Höchstbeträgen.
Konkret bedeutet das Folgendes:
Der Spediteur, der Ihre Skulptur im Wert von 8.000 € beschädigt, erstattet Ihnen 46 €. Das ist legal. Das ist die Realität.
Der einzige wirksame Schutz isteine Ad-Valorem-Versicherung: eine Deckung, die auf dem tatsächlich angegebenen Wert des Werks basiert und nicht auf seinem Gewicht. Bei Claisy wird diese Deckung zu 0,60 % ohne Steuer angegebenen Werts angeboten, ohne Selbstbeteiligung und mit einer Entschädigung innerhalb von 48 bis 72 Stunden.
Für die oben genannte Bronze im Wert von 5.000 €: 30 € ohne Steuer (5.000 × 0,60 %). DHL Art Shipping berechnet in der Regel 1 % mit einem Mindestbetrag, der oft über 50 € liegt. Claisy deckt bis zu 100.000 € pro Paket ohne hohen Mindestbetrag ab und ist damit die am besten geeignete Lösung für mittel- und hochpreisige Stücke.
Materialauswahl: PE-Schaumstoff vs. PU-Schaumstoff
Der häufigste Fehler beim Verpacken von Skulpturen ist die Verwendung des falschen Schaumstoffs. Nicht alle Schaumstoffe sind gleich, und die Wahl des richtigen Schaumstoffs hat direkten Einfluss auf den Erhaltungszustand Ihres Kunstwerks.
Polyethylen-Schaumstoff (PE): Der Standard für Museen
Polyethylenschaum ist der von Museen und Kunstverwaltern verwendete Standard. Aufgrund seiner Eigenschaften ist er für den Transport von Sammlungen unverzichtbar:
- Empfohlene Dichte: mindestens 35 kg/m³ für optimalen Schutz bei mittleren Stößen; 45-50 kg/m³ für schwere oder sehr wertvolle Teile
- Chemische Beständigkeit: pH-neutral, migriert nicht, überträgt keine Verbindungen auf lackierte oder patinierte Oberflächen
- Mechanisches Gedächtnis: absorbiert wiederholte Stöße, ohne sich dauerhaft zu verformen
- Zuschnitt möglich: lässt sich leicht bearbeiten, um Vertiefungen zu schaffen, die sich genau an die Form der Skulptur anpassen
Polyurethanschaum (PU): Bei wertvollen Gegenständen zu vermeiden
PU-Schaumstoff (herkömmlicher Verpackungsschaumstoff, Polsterschaumstoff) ist aus mehreren Gründen für den Transport von Kunstwerken ungeeignet:
- Säuregehalt: setzt chemische Verbindungen frei, die Patina, Oberflächen und Pigmente langfristig angreifen können.
- Permanente Kompression: Nach einem Aufprall kehrt sie nicht in ihre ursprüngliche Form zurück, wodurch der Schutz bei nachfolgenden Aufprallen verringert wird.
- Unzureichende Dichte: Die meisten Standard-PU-Schäume haben eine Dichte von 15-20 kg/m³, was für die Dämpfung von Stößen auf empfindliche Teile bei weitem nicht ausreicht.
Ausnahme: PU-Schaum mit Formgedächtnis (viskoelastisch) weist interessante Zwischeneigenschaften für Objekte mit komplexen Formen auf. Er passt sich perfekt an Konturen an und absorbiert kontinuierliche Vibrationen gut, ergänzt durch eine Außenschicht aus PE-Schaum.
Weitere ergänzende Materialien
- pH-neutrales Seidenpapier (Pergaminpapier): bei direktem Kontakt mit empfindlichen Oberflächen (Farben, vergoldete Bronzen, Lacke)
- Aluminiumwinkelprofile: zum Schutz der hervorstehenden Ecken einer Kiste oder eines Rahmens
- Polyethylenfolie: feuchtigkeitsundurchlässige Barriere, unverzichtbar für den Export oder lange Transportwege
Die Doppelbox- und Holzkistenmethode
Die Doppelbox: Mindeststandard für jede Skulptur
Die Doppelbox ist die vom ICOM (Internationaler Museumsrat) empfohlene Technik für den Transport von Sammlerstücken. Dabei werden zwei separate und voneinander unabhängige Schutzebenen geschaffen:
- Innenbox: Maßgeschneiderte Verpackung aus PE-Schaumstoff, der genau auf die Form der Skulptur zugeschnitten ist und eine millimetergenaue Passform ohne Druck auf empfindliche Teile ermöglicht. Das Werkstück muss ohne Spielraum fixiert werden, ohne dabei jedoch Belastungen ausgesetzt zu sein.
- Außenverpackung: Verstärkter Doppelwellpappkarton (oder Holzkiste) mit Abmessungen, die mindestens 10 cm größer sind als die Innenverpackung. Der Raum zwischen den beiden Kartons wird mit zusätzlichem Füllmaterial (PE-Schaumstoff in Platten oder Rollen) ausgefüllt.
- Physikalisches Prinzip: Bei einem äußeren Aufprall absorbiert und verteilt die äußere Box die erste Aufprallenergie. Die innere Box, die in ihrer Halterung schwebt, überträgt nur einen Bruchteil der Energie auf die Skulptur.
Die Holzkiste: Unverzichtbar für schwere Teile und den Export
Für alle Teile, die schwerer als 10 kg sind, einen Wert von mehr als 5.000 € haben oder für den Export bestimmt sind, ist eine Holzkiste dem Karton vorzuziehen:
- Mechanische Festigkeit: Eine Kiste aus 10 mm starkem Sperrholz hält Belastungen stand, denen kein Karton standhalten kann.
- Quetschschutz: Palettenstapel und darauf abgestellte Lasten haben keinerlei Auswirkungen.
- Visuelle Kennzeichnung: Eine Holzkiste macht den Spediteur sofort auf eine außergewöhnliche Fracht aufmerksam.
Kritischer Punkt für den Export: die Norm ISPM 15. Alle Holzkisten, die eine Zollgrenze passieren sollen, müssen gemäß dieser internationalen Pflanzenschutznorm aus thermisch oder chemisch behandeltem Holz hergestellt sein. Die Nichteinhaltung führt zu einer Beschlagnahmung durch den Zoll und kann für den Versender Strafen nach sich ziehen. Vergewissern Sie sich, dass Ihr Kistenhersteller die Konformität mit ISPM 15 zertifiziert, und bringen Sie die offizielle Kennzeichnung auf jeder Seite an.
Konkretes Beispiel: Versand einer Bronzeskulptur im Wert von 5.000 €
Szenario: Pariser Galerie versendet eine 4 kg schwere zeitgenössische Bronzeskulptur per Expresskurier an einen Sammler in Lyon.
Benötigtes Material:
- Pergaminpapier: 2 m²
- PE-Schaumstoff 35 kg/m³: 0,01 m³
- Doppelwellpappe (doppelte Welle): 1 Satz
- Verstärktes Klebeband 75 mm: 1 Rolle
- Polyethylenfolie: 2 m²
Geschätzte Verpackungskosten: 15 bis 25 € je nach Qualität der Materialien
DHL-Transportversicherung: ca. 1 % mit Mindestbeitrag, d. h. mindestens 50 € für einen angegebenen Wert von 5.000 € – und Entschädigungsfristen von 60 bis 90 Tagen, mit zahlreichen Ausschlüssen für Kunstgegenstände.
Claisy: 5.000 € × 0,60 % = 30 € ohne Steuer. Effektiver Versicherungsschutz, Entschädigung innerhalb von 48-72 Arbeitsstunden, Höchstbetrag 100.000 €.
Direkte Ersparnis: 20 € gegenüber DHL allein für diesen Versand, mit unvergleichlich besserer Abdeckung und schnelleren Lieferzeiten. Bei 50 Sendungen pro Jahr beläuft sich die Ersparnis auf über 1.000 € bei professionellem Schutz.