In Frankreich war jedes dritte im Jahr 2024 verkaufte Musikinstrument gebraucht – das entspricht etwa 500.000 Transaktionen von insgesamt 1,5 Millionen (Chambre Syndicale de la Facture Instrumentale, CSFI). Auf Reverb, dem weltweit führenden Marktplatz für Musikinstrumente, wurden im September 2025 191.793 Transaktionen getätigt (Grips Intelligence). Hinter jeder Transaktion steht ein Versand. Und hinter jedem Versand eines Instruments verbirgt sich ein Risiko, das Musiker immer zu spät entdecken.
Das Problem ist nicht, dass die Transportunternehmen inkompetent sind. Es ist vielmehr so, dass ihre automatisierten Sortieranlagen für rechteckige und einheitliche Pakete ausgelegt sind. Eine Gitarre mit einem 65 cm langen Hals, ein Saxophon mit einem Messing-Schalltrichter, eine Geige mit einer 0,3 mm dicken Fichtendecke: Diese Gegenstände sind logistische Anomalien in einem Sortiersystem, das in Frankreich jährlich 1,7 Milliarden Pakete verarbeitet (ARCEP, 2024).
Das Ergebnis: In Musikerforen (Zikinf, Audiofanzine) finden sich regelmäßig Berichte über gerissene Hälse, verstellte Mechaniken und eingedrückte Schalltrichter. Und wenn es zu einem Schaden kommt, beschränkt sich die gesetzliche Deckung des Transportunternehmens auf die allgemeine Haftung – etwa 23 € pro Kilogramm Bruttogewicht gemäß den französischen Musterverträgen. Für eine 4 kg schwere Gibson Les Paul-Gitarre ist das Transportunternehmen gesetzlich verpflichtet, 92 € zu erstatten, unabhängig vom tatsächlichen Wert des Instruments.
Ob Sie nun Musiker sind, der seine Ausrüstung auf Reverb verkauft, Gitarrenbauer, der seine Kreationen verschickt, oder retailer der Dutzende von Bestellungen pro Woche bearbeitet: Die Herausforderungen sind dieselben. Dieser Leitfaden beschreibt die von Fachleuten empfohlenen Verpackungstechniken, das für Ihr Instrument geeignete Verpackungsmaterial und die tatsächlichen finanziellen Absicherungsmöglichkeiten im Schadensfall – nicht die, die von den Transportunternehmen angepriesen werden, sondern diejenigen, die wirklich funktionieren.
Die 3 größten Risiken beim Versand von Instrumenten
Bevor man packt, sollte man verstehen, was kaputtgehen kann, um vorausschauend zu handeln. Die Erfahrungen der Musikgemeinschaften zeigen drei kritische Schwachstellen auf.
1. Gebrochener Griff und Saiten
Der Hals ist einer doppelten mechanischen Belastung ausgesetzt. Einerseits durch die Restspannung der Saiten, selbst wenn diese entspannt sind (laut Thomann etwa 30 kg Druck bei einer Akustikgitarre). Andererseits durch die Vibrationen beim Transport, die wiederholte Mikrostöße verursachen, die das Holz schwächen. Häufige Folge: Längsriss am Halsfuß oder schlimmer noch, klarer Bruch zwischen dem 5. und 7. Bund.
2. Geriffeltes Finish und markierte Bünde
Die Metallsaiten, die in direktem Kontakt mit dem Griffbrett stehen, wirken wie vibrierendes Schleifpapier. Bei jeder Erschütterung während des Transports reiben die Saiten gegen das Holz und hinterlassen irreversible Rillen in der Oberfläche. Lackierte Gitarren sind besonders gefährdet. Looper dokumentiert dieses Phänomen mit Fotos: Nach einer schlecht verpackten Fahrt von Paris nach Lyon wies eine Les Paul Custom acht tiefe Kratzer auf dem Palisandergriffbrett auf.
3. Beschädigte Karosserie und mechanische Teile
Saxophone, Trompeten und Schlaginstrumente bergen zwei Risiken: Verformung des Metallkörpers unter Druck und Abreißen der beweglichen Ventile/Klappen. Der Schalltrichter eines Altsaxophons kann sich bereits bei einem seitlichen Druck von nur 5 kg verformen. Die Mechanik einer Gitarre (Floyd-Rose-Vibrato, Tune-o-matic-Steg) kann leicht verstellt werden, wenn sich das Instrument im Karton bewegt.
PRO-Verpackungsmaterial für Musikinstrumente
Improvisation ruiniert Instrumente. Hier finden Sie die von Fachleuten empfohlenen Materialien für die einzelnen Instrumententypen mit genauen Abmessungen und überprüfbaren Referenzen.
Warum ist die doppelte Welle obligatorisch? Ein einfach gewellter Karton hält einer vertikalen Belastung von etwa 15 kg stand. Die doppelte Welle hält bis zu 40 kg aus, was für die Stapelung im LKW entscheidend ist. Thomann weist darauf hin, dass 80 % der Beschädigungen durch vertikale Kompression während der logistischen Sortierung entstehen, nicht während des Transports selbst.
Tipp für kostengünstige Ausrüstung: Musikgeschäfte werfen regelmäßig Originalkartons von Herstellern (Fender, Gibson, Yamaha) weg. Fragen Sie nach, ob Sie diese kostenlos haben können – sie haben oft die richtigen Maße und enthalten bereits passende Schutzpolster.

Blasinstrumente, Tasteninstrumente und Schlaginstrumente: Besonderheiten bei der Verpackung
Trompeten, Flöten, Digitalpianos und elektronische Schlagzeuge haben jeweils ihre spezifischen Schwachstellen, die oft übersehen werden, da sie weniger Aufmerksamkeit erregen als ein abgebrochener Gitarrenhals.
Blasinstrumente (Trompete, Posaune, Querflöte)
Das Hauptrisiko besteht nicht darin, dass der Korpus zerbricht – Messing ist sehr widerstandsfähig –, sondern dass sich die Ventile und Zugrohre verformen. Ein seitlicher Druck von wenigen Kilogramm reicht aus, um ein Posaunenzugrohr zu verbiegen oder ein Ventil zu verstellen, wodurch das Instrument ohne Reparatur unspielbar wird. Empfohlenes Vorgehen: Legen Sie jedes Instrument in seinen Original-Hartschalenkoffer (oder eine maßgeschneiderte Schachtel aus zugeschnittenem PE-Schaumstoff) und behandeln Sie das Ganze wie eine Doppelbox. Die beweglichen Züge sollten leicht mit Korkfett eingefettet werden, damit sie nicht durch Vibrationen blockieren. Der Schalltrichter eines Saxophons oder einer Bassklarinette muss systematisch demontiert und separat in einem starren PVC-Rohr (Ø 50 mm) mit Schaumstoffpolsterung verpackt werden.
Digitalpianos und MIDI-Keyboards (> 61 Tasten)
Das größte Risiko besteht darin, dass die Tasten durch konzentrierten vertikalen Druck beschädigt werden. Ein Karton mit falschen Abmessungen, der unter einem anderen Paket im LKW zusammenbricht, kann innerhalb einer Sekunde 3 bis 5 Tasten beschädigen – und der Austausch einer einzelnen Taste kostet bei einem autorisierten Kundendienst oft 80 bis 150 € pro Stück. Empfohlene Verpackung: maßgeschneiderter Karton mit dreifacher Wellpappe, mit einer dünnen Sperrholzplatte (3-4 mm), die vor dem Verpacken auf die Tastatur gelegt wird, um den vertikalen Druck gleichmäßig zu verteilen. Bei Tastaturen mit Pedal muss das Pedal demontiert und separat verpackt werden – seine Befestigung ist nicht dafür ausgelegt, Stöße in befestigtem Zustand auszuhalten.
Elektronische Schlagzeuge und Percussion-Instrumente
Silikon-Pads und elektronische Becken sind widerstandsfähig gegen direkte Stöße, aber sehr empfindlich gegenüber Beschädigungen der internen Verbindungen. Die integrierten Kabel (Multiplexkabel, Anschlussmodule) können sich durch die ständigen Vibrationen während des Transports von ihren Steckern lösen – ohne dass dies von außen sichtbar ist. Jedes Pad muss von seiner Halterung abgenommen, einzeln in Luftpolsterfolie verpackt und die Kabel ohne übermäßige Spannung aufgewickelt und mit Papierklebeband (nicht auf den Steckern) befestigt werden. Das zentrale Elektronikmodul verdient die gleiche Behandlung wie Unterhaltungselektronik: antistatischer Beutel + PE-Schaumstoff + doppelwelliger Karton.
Was tun, wenn dein Instrument nach der Lieferung beschädigt ankommt?
Trotz perfekter Verpackung gibt es kein Nullrisiko. Wenn du deine Rechtsmittel und deren Grenzen kennst, vermeidest du böse finanzielle Überraschungen.
Die Haftung des Beförderers: Eine Illusion für 23 €
Alle Transportunternehmen (Colissimo, Chronopost, UPS, DHL...) wenden standardmäßig das Übereinkommen von Montreal (Luftfracht) und insbesondere das Übereinkommen über den Güterkraftverkehr an: pauschale Entschädigung von 23 € pro Kilogramm. Für eine 3,5 kg schwere Gitarre erhältst du also maximal 80 € ... selbst wenn das Instrument 3000 € wert ist. Dieser lächerliche Schutz ist eine Falle, in die 90 % der privaten Versender tappen, die diese Einschränkung nicht kennen.
Die Transportversicherung: begrenzt und langsam
Die Transportunternehmen bieten eine optionale Wertversicherung an, die jedoch laut unserem Vergleich der Paketversicherungen von Transportunternehmen drei wesentliche Einschränkungen aufweist :
- Höchstbetrag: 500 € bei Mondial Relay, 1000 € bei Colissimo Standard, 5000 € bei Chronopost
- Unzumutbare Frist: 45 bis 90 Tage Bearbeitungszeit je nach Transportunternehmen
- Hohe Ablehnungsquote: 15–25 % der Reklamationen werden wegen „nicht konformer Verpackung” abgelehnt, selbst wenn Fotos vorgelegt werden.
Vergleich der tatsächlichen Kosten von Versandversicherungslösungen
Finanzanalyse für eine Gibson Les Paul Standard-Gitarre im Wert von 2800 €, Versand von Paris nach Lyon.
Quellen: Analyse Colissimo-Versicherung, Analyse ChronopostVersicherung, Tarife Claisy 2026
FAQ: Häufig gestellte Fragen Verpackung Musikinstrumente
Zusätzliche Ressourcen Versand, Paketversicherung & Logistik
Um dein Wissen über den Schutz hochwertiger Pakete zu vertiefen:
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